~ Clean Language – Wenn Sprache Raum schenkt ~

Nun war es einige Zeit ruhiger um meinen Blog. Wir haben in der Zwischenzeit ganz viel Leben genossen. Weihnachten, viel Familienzeit und unseren ersten Urlaub als fünfköpfige Familie. Die ersten Skischwünge sind gelungen und die Krankheitswelle hat netterweise bis nach dem Urlaub auf uns gewartet. Alles in allem fühlt sich der  Jänner an, als wäre er mir abhandengekommen, während ich mich nur kurz umgedreht habe.

Nun möchte ich mir heute Zeit nehmen, um etwas sehr Cooles aus meiner IFnT-Ausbildung mit dir zu teilen. Und zwar etwas, wovon ich zuvor noch nie gehört habe (ich bin wahnsinnig neugierig – hast du denn schon jemals von „Clean Language gehört“?). Wenn du mich schon länger hier begleitest, weißt du, wie wichtig ich Sprache an sich finde. Das „aktive Zuhören“ ist mitunter eher bekannt, wobei man das Gehörte in seinen eigenen Worten wiedergibt, um dem Gegenüber zu signalisieren „Ich habe zugehört. Ich verstehe dich.“. Dennoch kommt es auch dabei (jedenfalls öfter als ich dachte) zu Missverständnissen und einem „Ich fühle mich nicht verstanden“-Zustand.

Was wäre, wenn Sprache nicht erklärt, deutet oder korrigiert, sondern einfach Raum schafft?

Clean Language ist ein Ansatz, der genau das tut. Er lädt dazu ein, Menschen mit ihren eigenen Worten, Bildern und inneren Bedeutungslandschaften ernst zu nehmen – ohne sie zu interpretieren oder zu verändern.

Entwickelt wurde Clean Language ursprünglich von David Grove und später unter anderem  von Wendy Sullivan weitergeführt. Im Zentrum von Clean Language steht die Idee, dass Menschen ihre eigenen inneren Metaphern bereits in sich tragen. Diese Metaphern sind nicht bloß sprachliche Bilder, sondern organisieren Wahrnehmung, Emotionen und Bedeutung. Clean Language respektiert diese innere Logik, indem es AUSSCHLIEßLICH mit den Worten arbeitet, die eine Person selbst verwendet. Statt zu interpretieren oder zu ergänzen, bleibt die Sprache „clean“ – also frei von Annahmen, Bewertungen oder verdeckten Vorschlägen.

Wenn jemand sagt: „Es fühlt sich an, als wäre da eine Mauer“, dann wird diese Mauer nicht gedeutet oder symbolisch übersetzt. Stattdessen wird gemeinsam erforscht, was kommt. Hier wird zum Beispiel gefragt: „Und diese Mauer – was für eine Mauer ist das?“ oder es wird der Satz wiederholt und eine kurze Frage zur Vertiefung angefügt. „Es fühlt sich an, als wäre da eine Mauer. Wie ist das für dich?“ Auf diese Weise entfaltet sich die innere Landschaft Schritt für Schritt aus sich selbst heraus. Die Metapher beginnt zu sprechen – nicht durch Analyse, sondern durch liebvolle, neugierige Aufmerksamkeit.

Clean Language wird heute in vielen Bereichen genutzt: in Coaching, Therapie, Supervision, Organisationsentwicklung, Pädagogik und Mediation. Besonders wertvoll ist der Ansatz in sensiblen Prozessen, etwa bei inneren Konflikten, Entscheidungsfindungen oder der Arbeit mit unklaren Gefühlen.  Wie du dir vorstellen kannst, probiere ich das natürlich auch bei meinen Kindern aus. Manchmal bin ich direkt überrascht, was es für einen Unterschied macht, wenn sie mitten in einem Gefühlsausbruch hören, wie ich ihre Worte detailgetreu wiederhole. Und ich frage sie: „Wie ist das für dich?“ und ich kann beobachten, wie der Wind unmittelbar die Segel verlässt. Sie fühlen sich gehört. Und zwar auf einer viel tieferen und ehrlicheren Ebene als wenn ich nur sagte: „Oh, du bist wütend, nicht wahr?“

Vielleicht ist das Wichtigste an Clean Language nicht die Technik, sondern die Haltung, die sie kultiviert. Sie nimmt das Gesagte ernst. Sie verlangsamt Gespräche und vertieft sie zugleich. Und sie erinnert daran, dass Bedeutung nicht von außen kommt, sondern im Inneren entsteht. Clean Language öffnet Räume, in denen Menschen sich selbst begegnen können – mit ihren eigenen Worten, Bildern und Wahrheiten.

Ich bin ganz ehrlich, anfangs fühlt sich das sehr sehr komisch an so zu sprechen. Clean Language findet für mich persönlich auch einen Wert mitten im Alltagsgeschehen. Überall wo große Gefühle und Unklarheit im Spiel sind, versuche ich mit Clean Language etwas Ruhe, Langsamkeit und Klarheit zu fördern. Klappt auch super im eigenen inneren Dialog. Und was soll ich sagen – ich finde es einfach großartig!

Quelle: „Clean Language – enthüllende Metaphern und öffnendes Denken“ von Wendy Sullivan und Judy Rees

2 Comments

  • Rosa Berger

    Hallo Franziska,

    Wir kennen uns nicht persönlich, schade , ich bin, war seit den Anfängen von insight so wie es Pauline skeats uns gelehrt hat und wir Seminar Teilnehmer durch Übungen verinnerlichen konnten.
    Ich war jahrelang im Team von Karin Roth und konnte besonders viel lernen und praktizieren.
    Es hat mir durch meine eigene lebenskrise sehr geholfen und besonders durch clean language in Konflikten oder um Menschen in Krisen, so wie du es beschrieben hast, helfen den Blickpunkt zu korrigieren erweitern !!
    Freu mich von dir zu hören
    Liebe Grüße Rosa

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