~ „Frauen stärken und Hoffnung schenken“ – Ein Interview mit Hilda Viderø ~

Ich habe Hilda im Rahmen der IFnT-Beraterausbildung kennengelernt – und von der ersten Sekunde an war ich fasziniert von ihrer Ausstrahlung, ihrer tiefen Weisheit und ihrem unbeirrbaren Glauben.

Hilda stammt von den Färöer-Inseln und dient seit Jahrzehnten gemeinsam mit ihrem Mann Johannes als Missionarin in Afrika. Ob beim Aufbau von Behindertenwerkstätten in Botswana, mitten im Schmerz der HIV-Krise oder heute beim Aufbau von Berufsschulen für Frauen und Grundschulen im Busch von Liberien: Hilda zeigt uns, wie es aussieht, wenn man sein „Ja“ zu Gott nicht nur spricht, sondern mit dem ganzen Leben verkörpert.

Es ist mir eine Ehre, euch hier einen kleinen Einblick in ihr reiches, bewegendes Leben geben zu dürfen.

Liebe Hilda, möchtest du dich zu Beginn kurz mit ein paar Sätzen vorstellen?

Ja, sehr gerne! Ich bin Hilda Videre und komme von den Färöer-Inseln. Geboren und aufgewachsen bin ich in dem kleinen Dorf Klaksvík als die Mittlere von fünf Geschwistern.

Ich bin mit Johannes verheiratet und wir haben zwei Söhne. 1984 sind wir gemeinsam als Missionare nach Liberia gegangen – unser ältester Sohn war damals gerade einmal zwei Monate alt, und unser zweiter Sohn ist dort geboren.

Von meiner Ausbildung her bin ich Sozialdiakonin, Psychiatrieschwester, Psychotherapeutin und Familientherapeutin. Aber weißt du, je älter man wird, desto mehr merkt man einfach, wie viel man noch lernen kann! Ich bin glücklich darüber, weil ich nie das Gefühl habe, „fertig“ zu sein. Ich darf immer weiter neugierig bleiben und vorangehen.

Neugierig bleiben und vorangehen – das klingt wunderbar! Was hat dich damals dazu inspiriert, nach Afrika zu gehen?

Das hat viel mit meinen Wurzeln zu tun. Meine Mutter war Krankenschwester, mein Vater Sekretär beim YMCA. Wir wohnten oben in einer Wohnung des YMCA-Gebäudes und hatten ständig Besuch von Missionaren aus Indien und Afrika – meist dänische Missionare, die von ihrer Arbeit erzählten.

Mein persönlicher Ruf begann mit einem Traum: Eines Nachts träumte ich, dass ich mitten unter afrikanischen Kindern saß. Dieser Traum ließ mich nicht mehr los. Er bestimmte meinen Weg: Ich wollte Krankenschwester und Sozialarbeiterin werden und nach Afrika gehen.

Als ich Johannes kennenlernte, habe ich ihm gleich gesagt: „Ich kann dich nicht heiraten, denn ich gehe nach Afrika!“ Da lachte er und sagte, dass in seinem Herzen auch schon der Wunsch brannte, nach Nepal oder Indien zu gehen. Schließlich hat Gott unsere Wege gefügt, und wir sind 1984 gemeinsam nach Liberia ausgereist.

Ihr habt dann viele Jahre in Botswana gearbeitet – mitten in einer historisch sehr schweren Zeit. Wie hast du diese Jahre erlebt?

In Botswana arbeiteten wir im Okavango-Delta in einem Zentrum für Menschen mit Behinderungen. Johannes reiste alle zwei Wochen mit dem Zelt in die entlegensten Dörfer, um Menschen zu suchen, die nie einen Arzt gesehen hatten, und brachte sie zu uns. Wir boten Physiotherapie an und bauten eine Werkstatt auf, in der Erwachsene Handwerke wie Nähen, Weben oder Lederarbeit lernten, um ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ende der 80er- und in den 90er-Jahren traf uns dann die HIV/AIDS-Welle mit voller Härte. Es gab damals keine Medikamente und ein riesiges Schweigen über der Krankheit. Die Not und die Trauer waren unbeschreiblich. An manchen Samstagen standen wir vor 14 offenen Gräbern auf dem Friedhof – voller junger Menschen und Kinder.

Wir konnten die Not nicht einfach an uns vorbeiziehen lassen. Gemeinsam mit Frauen aus der Kirche fingen wir an, ins Krankenhaus zu gehen, für die Kranken zu singen, zu beten und die Sterbenden zu Hause zu pflegen. Aus dieser Not heraus entstanden Tsholofelo (was „Hoffnung“ bedeutet) und die Organisation Women Against Rape (WAR), die bis heute Frauen vor Gewalt schützt.

Später seid ihr zurück auf die Färöer gegangen, aber dein Herz brannte weiter für Afrika. 2018 hast du deine eigene Organisation „Mirjam“ gegründet. Was steckt hinter dieser Vision?

Ich wollte den Frauen keine Altkleider bringen – das nimmt ihnen oft die Würde und schwächt die lokale Wirtschaft. Ich wollte ihnen echte Freiheit schenken.

„Wenn es um Freiheit geht, denke ich an geistliche, wirtschaftliche und soziale Freiheit
– daran, die Ketten der Frauen zu lösen, damit sie tanzend in ihre Berufung eintreten können.“

Bild von tanzenden Frauen
Logo von "Mirjam"

Der Name Mirjam geht auf Mirjam aus der Bibel zurück, die nach der Rettung am Roten Meer tanzend mit der Pauke voran zog.

Heute betreiben wir in Liberia eine eigene Berufsschule mit 55 Schülerinnen. Bald öffnen wir einen neuen Standort, wo bereits bis zu 100 Frauen aufgenommen werden können. Sie lernen dort ein Jahr lang Berufe wie Schneiderei, Kosmetik, Catering, Seifenherstellung oder Färberei. Aber wir bringen ihnen nicht nur das Handwerk bei, sondern auch, wie man ein Business führt. Und das Schönste: Wenn sie ihren Abschluss machen, bekommen sie von uns ein eigenes Startpaket – wie eine Nähmaschine oder Öfen –, damit sie sofort auf eigenen Beinen stehen können.

Zusätzlich bauen wir Schulen im Busch für Kinder, die sonst stundenlang durch den Regenwald laufen müssten. In Henry Jamestown haben wir mit den Dorfbewohnern eine Schule für 80 Kinder gebaut – inklusive Brunnen und ordentlichen Sanitäranlagen. Es ist so berührend zu sehen, wie viel Würde und Freude dadurch entsteht!

Du hast – genau wie ich – die Ausbildung in IFnT (Systemische Familientherapie) gemacht. Wie hat diese Haltung deine Arbeit und dein Leben in Afrika verändert?

Oh, IFnT hat meine Arbeits- und Lebensweise tief geprägt! Es ist zu einer inneren Haltung geworden.

  • Vom Fixed-Point-Living zum Emergent Living: Früher habe ich oft gekämpft, bis ich völlig erschöpft war. Ich habe gelernt: Wir haben ein Ziel, aber wir dürfen uns Zeit lassen und unsere Kräfte schonen.
  • Miteinander statt Top-Down: In vielen afrikanischen Kontexten gilt das Wort des Stammesführers (Chief). Ich habe mit meinen Lehrern das Brainstorming eingeführt. Allen eine Stimme zu geben und gemeinsam Entscheidungen zu treffen, hat ihnen echte Würde geschenkt.
  • Leben mit einer C.L.O.A.K.-Haltung und Verwenden von „Clean Language“: Bei kulturellen Unterschieden entstehen schnell Missverständnisse. Durch klare, liebevolle Kommunikation klären wir Dinge direkt. An unseren Schulen wird nicht geschrien – wir begegnen uns auf Augenhöhe.
  • Selbstfürsorge & Grenzen: Mit meinem ADHS habe ich ständig tausend Ideen im Kopf. IFnT hat mir geholfen, langsamer zu werden, mich zu fokussieren und gesunde Grenzen zu setzen. Ich achte heute gut auf mich – gehe schwimmen und tanke auf –, um langfristig dienen zu können.

~ Was wir von Hilda lernen können ~

Hildas Geschichte berührt mich im Herzen ganz tief. Sie erinnert mich an ein paar kostbare Wahrheiten, die ich dir für deinen eigenen Alltag mitgeben möchte:

  1. Deine Berufung ist ein Prozess: Du musst nicht heute schon am Ziel sein. Nimm dir Zeit, haushalte mit deinen Kräften und erlaube dir, Schritt für Schritt zu wachsen.
  2. Echte Hilfe schenkt Würde: Hilfe bedeutet nicht, Menschen abhängig zu machen, sondern ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie ihre eigene von Gott geschenkte Würde entfalten können.
  3. Aufblühen beginnt bei dir selbst: Du kannst nur aus einem vollen Becher ausgießen. Selbstfürsorge und gesunde Grenzen sind kein Egoismus, sondern die Voraussetzung dafür, eine Segensquelle für andere zu sein.

Wie du die Arbeit von „Mirjam“ unterstützen kannst

Wenn dein Herz beim Lesen angesprochen wurde und du Hildas Arbeit in Liberia unterstützen möchtest, gibt es wundervolle Möglichkeiten dazu:

  • Schulpatenschaften: Ermögliche einem Kind den Schulbesuch (Trikots, Schulgeld, Bildung).
  • Frauen-Startpakete: Finanziere eine Nähmaschine oder Grundausstattung für eine Absolventin der Berufsschule.
  • Bauprojekte: Hilf mit beim Bau von Brunnen, Spielplätzen und Schulräumen im Busch.
  • Account: 9865-3124724 Swift code: NOYAFO21 and IBAN: FO8598650003124724
    (kleiner Tipp – die IBAN wird in manchen Bank Apps nicht unterstützt – es funktionert auf der Website am PC)

Hilda sagte mir: „Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Menschen so gerne helfen. Menschen wollen helfen!“ Das hat mich sehr berührt und schenkt mir Hoffnung für uns Menschen. Es gibt viel Finsternis in dieser Welt und für mich ist Hildas Geschichte Licht und Hoffnung – auch davon gibt es viel in dieser Welt, wenn ich bereit bin, es zu sehen!

Ich bin so dankbar für Frauen wie Hilda, die als Lichtträgerinnen in dieser Welt unterwegs sind. Schau gerne auf ihrer Website vorbei oder schreib mir in den Kommentaren: Was hat dich an Hildas Geschichte heute besonders berührt? Und wie ist das für dich?

>>English Version<<

Quelle der Fotos: Facebookseite der Organisation „Mirjam“ https://www.facebook.com/groups/540275536326187,
(Stand 20.10.2026, 19:11)

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