~ Gelassenheit bei Geschwisterstreit ~
Diesen Beitrag schreibe ich nicht etwa, weil ich das Thema für mich geknackt habe, sondern vielmehr aus dem gegenteiligen Grund – weil mich Geschwisterstreit manchmal an den Rand des Wahnsinns treibt. Mein Verständnis endet in der Regel sobald Gewalt und abwertende Sprache ins Spiel kommen. Den höchsten Punkt der Palme erreiche ich, wenn meine älteren Kinder auf den Jüngsten losgehen. Weil ich ein großer Fan von Eigenverantwortung und Handlungsfähigkeit bin, versuche ich auch bei diesem Thema bei mir selbst zu beginnen.
Zuerst musste ich für mich herausfinden und gut trennen, wann ich als Mama reagiere und wann die „innere kleine Franzi“ getriggert ist, die selbst drei ältere Geschwister hat und sich manchmal nicht recht zu helfen wusste. Das darf ich gut trennen, mein inneres Kind versorgen und für meine drei Kids ganz Mama sein. Nachdem ich dieses Thema eine Weile für mich durchgekaut und mit anderen Eltern besprochen habe, haben sich diese fünf Punkte ein wenig herauskristallisiert, die hilfreich sein können, um gut mit Geschwisterstreit umzugehen:
- Check – sind alle in Sicherheit?
Wir alle kennen den Moment – du bist im anderen Raum (endlich allein am WC ;)) und schon geht es los: Du hörst Schreie, eventuell auch noch Poltern und die erste Reaktion bei mir ist innerlich oft ein genervtes bis besorgtes, bis panisches (je nach Schreiintensität der Kids) „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ Hier habe ich mir bewusst eingeübt, erstmal zu atmen und mir selbst zuzusprechen: „Ich kann damit umgehen!“ und der wichtigste Check ist – ist jemand verletzt, besteht akuter Handlungsbedarf?
- Das ist kein Notfall. Atmen!
Zu einem sehr großen Teil der Fälle (vermutlich etwa 95%) handelt es sich tatsächlich nicht um einen Notfall, mein Nervensystem reagiert aber erstmal als wäre jemand in Lebensgefahr. Ich habe für mich gelernt, dass ich mir das wirklich selbst sagen muss: „Das ist kein Notfall! Atmen!“ Dadurch konnte ich meinem Nervensystem Schritt für Schritt beibringen in solchen Situationen ruhig zu bleiben. Das gelingt mir natürlich je nach Tagesverfassung und übrigen Ressourcen mal besser und mal schlechter. Ganz allgemein aber kann ich beobachten, dass ich über die letzten Jahre deutlich gelassener geworden bin und mehr in meiner Mitte bleiben kann.
- Jeden die Situation aus der eigenen Perspektive schildern lassen.
Für mich war es ein Teil meines Prozesses mein inneres Kind gut zu versorgen und als Mama zu agieren, dass ich lernen musste keine Schlüsse zu ziehen und zum Beispiel automatisch dem Ältesten die Schuld zu geben. Jeder darf aus seiner Perspektive erzählen, was passiert ist – bei unstimmigen Geschichten, spreche ich jedem Kind zu „Ich glaube dir, dass du es so erlebt hast!“ – ich habe es nicht gesehen und kann daher nicht urteilen. In diesem Schritt besprechen wir auch manchmal, dass Standpunkte verschieden und dennoch aus der jeweiligen Perspektive beide richtig sein können, weil wir unterschiedlich wahrnehmen. Dazu habe ich ihnen einen bunten Ball gezeigt wo jeder nur eine Seite/Farbe sehen konnte. Sie haben unterschiedliche Farben genannt und hatten doch beide Recht, weil sie die Seite des anderen einfach nicht sehen konnten von ihrem Standpunkt aus.
- Versöhnung
Nach jedem Konflikt gibt es eine Chance für mehr Verbundenheit untereinander. Wer lernt, sich zu versöhnen, hat die Möglichkeit auch Spannungen und Meinungsverschiedenheiten in Beziehungen auszuhalten. Denn die Erfahrung, dass die Beziehung und Verbundenheit dadurch nicht unterbrochen werden, ist ein großer Schatz. Dabei betone ich, dass wir uns lieb haben und dass die Liebe keine Pause macht. Sie geht nicht weg, auch wenn wir streiten, wir dürfen uns immer wieder daran erinnern und das mit unseren Worten und Handlungen auch zeigen.
- Besprechen – wie können wir es das nächste Mal gut lösen?
Schlussendlich geht es um den Weg nach vorne: Wie machen wir weiter, was habt ihr für Vorschläge, wie ihr diese Situation hättet lösen können? Und hier darf ich immer wieder lernen wie kreativ und schlau Kinder sind. Wenn sie selbst an den Vorschlägen und Möglichkeiten mittüfteln, geht es auch leichter, sie später wieder an diese Wege zu erinnern und zu motivieren, sie nicht nur zu denken, sondern auch zu leben.
Wie gehst du mit Geschwisterstreit um? Welche Regeln oder Abläufe gibt es bei dir zuhause? Teile so gern deine Erfahrung in den Kommentaren oder schreib mir ein Mail – ich freue mich immer sehr über Austausch <3

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